Angst vor Psychotherapie: So kannst Du damit umgehen

Du denkst darüber nach, Dir professionelle Unterstützung zu holen, hast aber Angst vor Psychotherapie? Der Beginn einer Psychotherapie ist natürlicherweise mit Unsicherheiten und Fragen verbunden. Ein bißchen Angst ist da ganz normal. In diesem Artikel erfährst Du mehr darüber, was Dich erwartet und wie Du mit Deiner Angst vor Psychotherapie umgehen kannst.

Häufige Ängste vor Psychotherapie

Viele Klient*innen stellen sich in den ersten Sitzungen z.B. Fragen wie:

  • Was muss ich sagen, damit die/der Psychotherapeut*in mir helfen kann?
  • Darf ich auch Themen verschweigen, die mir zu unangenehm sind?
  • Was wird von mir erwartet?
  • Kann ich mich hier sicher fühlen oder wird alles noch schlimmer?

Häufig besteht die Befürchtung, die/der Psychotherapeut*in könnte einen falschen Eindruck bekommen, die vorgebrachten Schwierigkeiten nicht ernst nehmen oder sie sogar überbewerten. Manchmal werden Klient*innen auch durch Klischees und Vorurteile über Psychotherapie verunsichert. Oft steht hinter der Angst vor Psychotherapie eine grundlegende Frage: „Wie verhalte ich mich richtig, damit die Psychotherapie mir hilft?“

Alle Fragen sind erlaubt

Alle diese Fragen sind für Psychotherapeut*innen völlig normal und sollten in der Psychotherapie offen ausgesprochen werden. Therapeut*innen freuen sich sogar darüber, denn durch das Ansprechen lassen sich viele Unsicherheiten und Missverständnisse direkt am Anfang aus dem Weg räumen. So kann das gegenseitige Vertrauen wachsen und die therapeutische Beziehung wird stabiler.

Auch wenn es unter Umständen viel Mut kostet und Du große Angst vor der Psychotherapie hast: Frag Dein*e Psychotherapeut*in nach dem Procedere, wenn Du Dir unsicher bist! Die Antworten sind nämlich je nach Psychotherapie-Verfahren und persönlichem Stil recht unterschiedlich:

Manche Psychotherapeut*innen geben Themen vor, andere erwarten, dass man zu jeder Sitzung ein Thema oder Problem mitbringt. Einige wollen möglichst viel über die Kindheit erfahren, andere interessieren sich mehr für aktuelle Gefühle. Manche geben auch gar nichts vor, sondern überlassen die Gestaltung der Sitzung ihren Klient*innen. Je klarer Du weißt, wie der übliche Ablauf ist, desto weniger Angst hast Du vor der Psychotherapie und desto besser kannst Du die Sitzungen für Dich nutzen.

Keine Angst vor Verurteilung

Häufig steht hinter diesen eher formalen Fragen zum Ablauf aber noch etwas anderes. Nicht nur die Frage „Wie mache ich es richtig?“, sondern auch „Wie bin ich richtig?“ oder „Wie muss ich hier sein, um als richtig anerkannt zu werden?“. Die Angst vor Verurteilung drückt sich z.B. in der Befürchtung aus, dass die/der Psychotherapeut*in schlecht über die/den Klient*in denken könnte.

Nicht wenige Klient*innen halten sich daher mit Äußerungen zurück, die sie für „unnormal“ halten. Zu groß ist ihre Angst davor, nicht ernst genommen zu werden oder auch zu ernst genommen und dann in die Kategorie „schwer psychisch krank“ einsortiert zu werden.

Offenheit hilft gegen Angst vor der Psychotherapie

Nun ist es jedoch nicht Sinn einer Psychotherapie einen guten Eindruck zu machen. Schließlich geht man zur/zum Psychotherapeut*in, weil es einem nicht gut geht und man sich Unterstützung wünscht. Psychotherapie ist Arbeit an sich selbst, um günstigere Denk- und Verhaltensweisen zu entwickeln. Dafür braucht es Ausdauer, Mut und ein echtes Interesse daran, Neues zu entdecken.

Diese notwendige Neugier wird jedoch durch eine Angst vor Verurteilung stark eingeschränkt. Statt sich offen die eigenen seelischen Muster anzuschauen, gilt dann der einzige Blick der/dem Therapeut*in und dessen potenzieller Beurteilung. „Bestimmt habe ich etwas Falsches gesagt! Was wird sie jetzt von mir denken?!“

(Ich wage übrigens zu behaupten, dass die meisten Psychotherapeut*innen ihre Klient*innen überhaupt nicht beurteilen, sondern sich in der Kunst der urteilsfreien Empathie üben).

Naturtherapie ist anders!

Viele Klient*innen berichten, dass sich die Sitzungen unter freiem Himmel „normaler“ anfühlen und sie dort weniger Hemmungen haben, über das zu sprechen, was ihnen auf der Seele liegt.

Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, ob und wie Dir eine Naturtherapie helfen kann, nimm einfach Kontakt mit mir auf!

Sei neugierig auf Dich selbst!

Mit der (Selbst-)Beurteilung von „richtig“ und „falsch“ schränkt man sich also als Klient*in unnötig ein. Eine viel hilfreichere Haltung wäre es, sich für neue Erfahrungen zu öffnen. Mit einer interessierten, offenen Haltung ehrlich zu sich selbst zu sein und nicht jemand anderem die Deutungshoheit zu übertragen. Das erweitert das Blickfeld ungemein!

Plötzlich steht nicht mehr eine andere Person und ihre vermutete Bewertung im Mittelpunkt, sondern Du selbst, mit Deinem ganzen Reichtum an unterschiedlichen Gedanken, Gefühlen, Körperempfindungen – und auch der Möglichkeit, eigene Bewertungen aufgrund von realen Erfahrungen vorzunehmen. Erst wenn wir aufhören, uns selbst als „richtig“ oder „falsch“ zu beurteilen, werden wir frei, uns selbst zu erkennen.

PS: Und wenn Du Dich das nächste Mal vor Deiner Psychotherapeut*in schämst und alle meine Worte vergessen hast, dann fällt Dir hoffentlich noch dieser Comic ein:

 

Schweigepflicht

 

Kennst Du die Angst vor Psychotherapie? Was sind/waren Deine Befürchtungen und wie bist Du mit ihnen umgegangen?

Die Autorin

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