Psychotherapie zu Ende, was nun?

Während einer Psychotherapie hat man als Klientin immer jemanden „im Rücken“, an den man sich bei Schwierigkeiten wenden kann. Die Psychotherapeutin hört zu, ermutigt und fördert, tröstet und fühlt mit, gibt Orientierung und Sicherheit. Doch irgendwann ist jede Psychotherapie vorbei und die „Beziehung auf Zeit“ geht zuende. Als Klientin ist man nun aufgefordert seinen Weg allein weiter zu gehen und die Lücke, die der Psychotherapeut hinterlassen hat, selbst zu füllen. Der berühmte Psychotherapeut Irvin Yalom hat einmal gesagt: „Ein Ziel von Psychotherapie ist es, sich selbst ein guter Vater und eine gute Mutter sein zu können.“ Die Rolle von Psychotherapeuten ist häufig eine ähnliche, vielleicht sollte man noch hinzufügen: „sich selbst eine gute Psychotherapeutin zu sein“. Viele Klienten beschleicht jedoch zum Ende der Psychotherapie die Angst, ob sie das wirklich schaffen können.

Das Ende aktiv gestalten

Der Abschluss einer Psychotherapie ist für viele eine schwierige Phase, vor allem wenn sie in ihrem Leben schlechte Erfahrungen mit Trennung und Abschied gemacht haben. Wichtig ist es daher, das Thema frühzeitig anzusprechen und etwa die fünf letzten Sitzungen für einen guten Abschluss zu nutzen. Welche Themen sollen noch abgerundet werden? Welche „Baustellen“ sind noch offen? Welches Problem muss dringend noch besprochen werden? Häufig trennt sich in den letzten Sitzungen auch die Spreu vom Weizen: Klienten sprechen Themen an, die sie bisher vermieden haben. Nebensächliches wird nebensächlich, Wichtiges wird wichtiger. Die eigenen Ziele, Werte und Bedürfnisse treten deutlicher zutage. In der Bearbeitung der letzten „Baustellen“ wird den Klienten meist auch bewusst, wie viel sie schon verinnerlicht und verändert haben. Das gibt Selbstvertrauen und Mut für die Zukunft: „Wenn ich das schon alles geschafft habe, dann schaffe ich den Rest auch allein“.

Keine Angst vor Verschlimmerung

Nicht selten kehrt die ursprüngliche Symptomatik zum Ende der Psychotherapie noch einmal zurück. Plötzlich wird die Stimmung wieder schlechter, die Ängste wieder größer, das Leben erscheint wieder schwer und leidvoll. Das ist ganz normal und nur ein vorübergehender Zustand. Es bedeutet nicht, dass die Psychotherapie erfolglos war, sondern ist nur ein Zeichen dafür, dass der Abschied schwer fällt. Hilfreich ist es hier, gemeinsam mit der Psychotherapeutin Rückschau zu halten und sich der eigenen Fortschritte zu vergewissern. Eine gute Unterstützung für den Übergang kann auch eine Notfall-Liste sein, auf der z.B. Frühwarnzeichen notiert werden, an denen der Klient erkennt, wenn er in eine Krise zu geraten droht. Hilfreiche Gegenmaßnahmen und verständnisvolle Ansprechpersonen gehören ebenfalls auf die Liste. Damit es erst gar nicht so weit kommt, ist eine gute Selbstfürsorge das A und O nach einer Psychotherapie. Sich selbst ein guter Vater und eine gute Mutter zu sein bedeutet u.a. sich gesund zu ernähren, auf genügend Bewegung und Erholung zu achten, Freundschaften zu pflegen und jeden Tag in die Natur zu gehen.

Weitere Hilfsangebote

Auch nach Ende der Psychotherapie steht man nicht völlig alleine da. Viele Psychotherapeutinnen bieten eine Akut-Sprechstunde oder eine Intervall-Behandlung an, die man in Krisenzeiten nutzen kann. Auch die Telefon-Seelsorge, Beratungsstellen oder Online-Foren können gute Unterstützung bieten. Besonders empfehlenswert sind Selbsthilfegruppen, denn dort treffen sich Betroffene „im echten Leben“ und helfen sich gegenseitig. Jeder ist dort zugleich Helfer und Hilfe-Empfänger, was auch zu einem stabileren Selbstwert und höherer Selbstwirksamkeits-Überzeugung beiträgt.

Vor schwierigen Zeiten ist man natürlich auch nach einer Psychotherapie nicht gefeit – sie gehören einfach zum Leben. Auch werden ungünstige Denk- und Verhaltensmuster immer mal wieder die Oberhand gewinnen. Wer sich selbst jedoch eine gute Mutter und ein guter Vater sein kann, hat genügend Fähigkeiten, um immer wieder seinen Weg nach Hause zu finden.

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