Entspannung und innere Ruhe

Nahrungsmittel-Unverträglichkeit: ein Segen!

Allergie gegen bzw. Unverträglichkeit von Brot, Brötchen, Nudeln, Käse, Yoghurt, Milch, Butter, Sahne, Erdnüsse, Senf, Eier, Haselnüsse, Marzipan, Milchschokolade, Plätzchen, Kuchen, Pizza, Paprika, Cashewnüsse, Kiwi und eigentlich auch noch Knoblauch und Zwiebeln. Was so klingt wie die Allergieliste einer mittleren Kleinstadt, vereint sich leider auf nur eine Person. Mich.

Sechs Monate lang habe ich mich mit ständigen Bauchschmerzen geplagt, bevor ich im September 2015 endlich meine Ärztin aufsuchte. Nach einigen sehr kostspieligen Laboruntersuchungen stand fest: ich habe eine ganze Reihe von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten entwickelt, darunter Gluten und Milcheiweiß. Da ich ohnehin seit 20 Jahren Vegetarierin bin, wurde mein Speiseplan dadurch plötzlich sehr schmal.

Was isst man als glutenfreie Veganerin?!

Zu Anfang tatsächlich sehr wenig. Wenn mich der Hunger überkam, hatte ich nie das Richtige im Haus. Bei meinem ersten Restaurantbesuch nach der Diagnose musste ich fast weinen, weil ich nichts von den leckeren Sachen auf der Speisekarte essen konnte. Ich hungerte oft und verlor innerhalb weniger Wochen 6 kg Gewicht. Meine Stimmung war auf dem Tiefpunkt angelangt als ich realisierte, dass meine sämtlichen Leibspeisen ab nun für mich tabu waren. Ein trost- und freudloses „Dahinveganieren“ erwartete mich…

Alles hat zwei Seiten

Doch dieser Artikel hätte nicht das Wörtchen „Segen“ im Titel, wenn die Nahrungsmittel-Uunverträglichkeit nicht auch etwas Gutes hätte. Die andere Seite der Medaille entdeckte ich im Pfalz-Urlaub mit meiner Familie: Für das Abendessen hatten wir uns extra ein Restaurant empfehlen lassen, wo es auch einige vegetarische Gerichte gab (im Land von Saumagen und Blutwurst keine Selbstverständlichkeit!). Trotzdem war es mir peinlich, die Bedienung mit meinen Sonderwünschen zu behelligen. Ich wollte nicht zu diesen komplizierten Essern gehören, bei denen jeder Koch genervt die Augen verdreht. Aber, oh Wunder, nichts davon geschah! Die Kellnerin beriet mich stattdessen freundlich und bot an, das Gericht nach meinen Bedürfnissen zu ändern. Für die nächsten Abende schlug sie gleich noch passende Speisen vor und ließ keinen Zweifel daran, dass sie alles möglich machen würde, damit ich mich in ihrem Restaurant wohl fühlte. So viel Fürsorge war ich nicht gewohnt! Bei der Arbeit ging es so weiter: Im Seminarhaus bekamen meine Seminarteilnehmer das eine Essen und ich immer etwas anderes. Auch hier keine Spur von Verärgerung bei unserer lieben Köchin. Und ich genoss das Umsorgt-werden in vollen Zügen! Ohne die Unverträglichkeiten wäre mir dieses kuschelige Gefühl der Bemutterung entgangen.

Gewohnheiten ändern sich

Bald kannte ich eine Reihe von Ersatzprodukten, die meine Möglichkeiten enorm erweiterten (z.B. glutenfreie Backmischungen oder Sojamilch-Produkte). Eigentlich mochte ich Kochen nie sonderlich und griff auch gerne mal zu Fertiggerichten, wenn es schnell gehen musste. Das ging nun nicht mehr, denn Fertiggerichte enthalten garantiert Gluten oder Milch. Also musste ich mir jetzt Zeit nehmen, um meine Mahlzeiten zu planen und vorzubereiten und entdeckte darüber eine neue Freude am Kochen. Ich experimentierte viel und war dementsprechend gespannt darauf, wie es schmeckt. Neugier und Offenheit stellten sich ein – die wichtigsten Voraussetzungen für Achtsamkeit. Dank Unverträglichkeit lernte ich, bewusster und genussvoller zu essen.

Eine weitere Lektion lernte ich in der Vorweihnachtszeit, wo überall Marzipan und Schokolade locken: Meine Gier verabschiedete sich. Während ich vor der Diagnose durchaus maßlos im Konsum von Süßigkeiten sein konnte, hatte ich nun genügend triftige Gründe, um dem allen zu widerstehen. Da ich sie nicht essen konnte, ohne Bauchschmerzen zu bekommen, ließ mein Interesse an Plätzchen & Co. stark nach. Der Zucker-Entzug machte möglich, was ich früher nie nachvollziehen konnte: ich esse ein einziges Stückchen Zartbitter-Schokolade und es genügt mir!

Der Lohn ist Achtsamkeit

Heute bin ich wieder ganz gesund und kann alles essen. Geholfen hat mir die NAET-Therapie, eine Mischung aus Akupunktur und Kinesiologie. Wie zu erwarten war, schlage ich auch manchmal wieder über die Stränge, aber das ist für mich okay. Aus der Zeit der Unverträglichkeiten sind mir dennoch einige Geschenke erhalten geblieben: Mehr Interesse am Kochen, eine bewusstere Ernährung und insgesamt mehr Freiheit in (und von) meinen Ernährungsgewohnheiten.

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