Entspannung und innere Ruhe

Jammerfasten: Wie es funktioniert und was es bringt

Jammerfasten

Ein Jahr Pandemie hat wohl für jedeN genug Anlass zum Jammern geboten. Wie wäre es also, wenn Du die Fastenzeit 2021 zum Jammerfasten nutzen würdest? Wie das Jammerfasten funktioniert und was es bringt, erfährst Du in diesem Artikel.

Jammern erleichtert (kurzfristig)

Beim Fasten zu jammern, ist ja noch nachvollziehbar. Schließlich ist die Zeit des Verzichts – auch wenn sie selbst gewählt ist – nicht immer leicht. Aber Fasten vom Jammern ist erst einmal eine ungewöhnliche Vorstellung. Dabei verzichten viele Menschen beim Fasten ohnehin auf Angewohnheiten, die ihnen (oder ihrem Umfeld) nicht gut tun. Jammern gehört definitiv dazu! Denn während Du durch Jammern kurzfristig seelischen Ballast abwerfen kannst, belastest Du andere damit.

Wohl jeder kennt Menschen, die viel jammern und sich über alles mögliche beklagen. Sie meckern und maulen und grummeln und granteln über all die Widrigkeiten, die das Leben ihnen zumutet. Hast Du so jemanden gerade vor Augen? Dann weißt Du, wie unangenehm es ist, sich in der Nähe solcher Menschen aufzuhalten. Wenn jemand viel und ausdauernd jammert, ohne seinen Beschwerden jedoch Taten folgen zu lassen, dann kann das für das soziale Umfeld regelrecht zermürbend sein. Wer mag sich schon dauerhaft mit so viel negativer Energie umgeben?

Jammerst Du?

Das Unangenehme am Jammern ist nicht nur die negative Ausstrahlung, sondern auch seine „Kopflastigkeit“. Wer jammert, beschreibt zwar wortreich die Zumutungen, denen er ausgesetzt ist, kaschiert damit aber häufig seine wahren Gefühle. Die Schilderungen bleiben oberflächlich oder beschuldigend und lenken dadurch die Aufmerksamkeit von der Person ab. Es ist dann schwierig, mit dem Menschen in emotionalen Kontakt zu kommen, z.B. seine darunterliegenden Ängste oder verborgene Traurigkeit zu spüren. Sogar der Jammernde selbst verbaut sich den Zugang zu seinen Gefühlen und somit auch zu einem adäquaten Umgang mit ihnen.

Versteh mich nicht falsch: Seiner Unzufriedenheit kurz mal Luft zu verschaffen, um sich Unterstützung von außen zu holen oder „Anlauf zu nehmen“, um unhaltbare Zustände zu ändern, ist hier nicht gemeint. Auch Selbstmitgefühl oder Trauer sind kein Jammern. Wenn Du aber dazu tendierst, Dich ständig zu beklagen (und sei es nur in Deinem Kopf!), dann schadest Du nicht nur Deinem Umfeld, sondern vor allem Dir selbst.

Wie Jammern Dir schadet

  • Wenn Du klagst, konzentrierst Du Dich auf das, was nicht Deinen Erwartungen entspricht. Das kostet viel Kraft, denn das Gehirn versucht immer den Ist- mit dem Soll-Zustand in Übereinstimmung zu bringen. Wenn es draußen regnet, obwohl Du Dir dringend Sonnenschein wünschst, wird es ganz zappelig.
  • Durch häufiges Jammern entstehen dann neue Neuronenverbindungen, denn das Gehirn erspart sich gern Arbeit. Aus dem anfänglichen neuronalen „Trampelpfad“ wird bald eine breite „Autobahn“, so dass Deine Gedanken automatisch eine negative Richtung einschlagen – egal, um welches Thema es geht.
  • Beim Jammern übersiehst Du alles, was eigentlich gut läuft. Du wirst also automatisch weniger Freude, Zuversicht und Dankbarkeit verspüren als es eigentlich möglich wäre.
  • Und umgekehrt: Je mehr Du Dich auf das konzentrierst, was nicht nach Deinen Vorstellungen läuft, desto stärker nimmst Du es wahr. So bekommen Deine „Probleme“ mehr Raum in Deiner Wahrnehmung und beeinflussen Dich stärker.
  • Das Jammern und Klagen führt zu einer Verstärkung von unangenehmen Gefühlen wie Wut, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Du hast zunehmend das Gefühl, keinen Einfluss auf die Gestaltung Deines Lebens zu haben und fühlst Dich als Opfer. Irgendwann hast Du Dich in der Opfer-Rolle so gut eingerichtet, dass es schwer wird, sie wieder zu verlassen.
  • Beim Jammern reibst Du Dich an der Realität auf, anstatt nach konstruktiven Lösungen zu suchen. Wenn es im Alltag viele Dinge gibt, die Dich belasten, stören, schmerzen oder ärgern, verharrst Du ständig im Widerstand.
  • Auf Deine Mitmenschen (s.o.) wirkt Dein Jammern auf Dauer undankbar, wehleidig und zu anstrengend. Sie wollen nicht immer nur Klagen hören, sondern auch Fortschritte sehen. Wenn Du ihre Lösungsvorschläge zu oft in den Wind schlägst, werden sie sich irgendwann frustriert von Dir abwenden.

Jammerfasten erleichtert (dauerhaft)

Was ist nun Jammerfasten? Jammerfasten heißt, auf Jammern zu verzichten (auch auf das Jammern in Gedanken). Oder anders gesagt: Sich in Akzeptanz zu üben. Es bedeutet, der Realität keinen Widerstand mehr entgegenzusetzen und so nicht nur eine Menge Kraft zu sparen, sondern auch viel Raum für angenehme Gefühle zu schaffen. Freude, Leichtigkeit und Dankbarkeit können sich nämlich immer dann einstellen, wenn Du in Frieden mit dem bist, was ohnehin passiert.

Wie ForscherInnen der University of California in Davis herausfanden, ist Dankbarkeit eine richtig gute Medizin: Sie senkt den Stresshormonspiegel um rund 23%, beugt Depressionen vor, verringert Entzündungen u.v.m.. Mit diesen „Nebenwirkungen“ lebt es sich weit besser als mit denen des Jammerns, oder?

Vielleicht fragst Du Dich jetzt, ob Du beim Jammerfasten mit allem zufrieden sein und alles gut finden musst? Darfst Du  dann gar nichts mehr verändern? – Nein, im Gegenteil!

Veränderung beginnt mit Akzeptanz

Du kannst eine Situation nicht verändern, wenn Du sie nicht zuallererst auf einer grundlegenden Ebene akzeptiert hast. Das gleiche gilt auch für Deine Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen. Solange Du sie ignorierst, unterdrückst oder verdrängst, werden sie Dich weiter unbewusst beeinflussen – was meist zu ungünstigen Ergebnissen führt. Erst wenn Du anfängst, sie zu akzeptieren, können sie sich auflösen.

Sobald Du akzeptierst, dass die Dinge im Moment eben so sind, wie sie sind, hast Du die Möglichkeit, „sehenden Auges“ und unter Zuhilfenahme aller Deiner Fähigkeiten eine Veränderung herbeizuführen. Dabei hast Du mehrere Möglichkeiten:

1.) Du veränderst die Situation

2.) Du verlässt die Situation

3.) Du veränderst Deinen Umgang mit der Situation

Mindestens eine dieser Möglichkeiten funktioniert immer!

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Jammerfasten: 6 konkrete Tipps

Jammerfasten kann man ein ganzes Leben lang. Wenn Du es aber erst einmal ausprobieren möchtest, dann beginne mit einem Zeitraum von 2-4 Wochen. Möglicherweise musst Du einiges umlernen, wenn Du bislang viel gejammert hast. Der erste Schritt ist schon gemacht: Du hast erkannt, dass und wie Jammern Dir schadet.

Tipp 1: Entscheide Dich für Dankbarkeit!

Was läuft gut in Deinem Leben? Womit bist Du zufrieden? Was entspricht Deinen Erwartungen? Schreib während des Jammerfastens ein Dankbarkeits-Tagebuch, in das Du jeden Tag mindestens drei Dinge einträgst, für die Du dankbar bist. So gewöhnst Du Dich daran, immer nach dem Positiven Ausschau zu halten.

Tipp 2: Konzentriere Dich darauf, was Du erreichen willst!

Jammern macht Dich zu einem hilflosen Opfer, das die Verantwortung für sein Leben an andere abtritt. Falsch! Du hast mehr Gestaltungsmöglichkeiten als Du denkst! Nutze Deine Energie lieber, um aktiv nach Lösungswegen zu suchen. So stärkst Du die Überzeugung, dass Du etwas verändern kannst (Selbstwirksamkeit) und schöpfst neue Hoffnung. Vergiss nicht, Deine Erfolge zu feiern!

Tipp 3: Hol auch andere aus dem Jammertal!

Lass Dich nicht vom Jammern anderer Menschen anstecken oder herunterziehen. Sie wissen noch nicht, wie sie sich selbst und andere mit ihrem Jammern vergiften. Gib Dir und ihnen die Chance auf einen schönen Tag, indem Du das Gespräch auf angenehmere Themen lenkst. Wenn das nicht funktioniert, kannst Du auch von Deinem Jammerfasten berichten – oder das Weite suchen.

Tipp 4: Achte gut auf Deine Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen!

Sei wachsam für die Situationen, in denen Du gegen die Realität Widerstand leistest. Körperlich kannst Du sie vielleicht daran erkennen, dass sich in Dir Druck aufbaut oder sich etwas zusammenzieht. Emotional machen sich vielleicht Ärger oder Hoffnungslosigkeit bemerkbar. Wenn Du Jammergedanken entdeckst, schreib sie auf und ordne sie nach Häufigkeit! So entlarvst Du den Jammer-Automatismus rechtzeitig und kannst Dich von ihm distanzieren.

Tipp 5: Nimm die Bewertung raus!

„Die ganze Arbeit bleibt wieder an mir hängen“, „Mir tut alles weh“ oder „Scheißwetter!“ sind Sätze, in denen viel Bewertung steckt. Wenn Du sie weglässt und stattdessen nur beschreibst, was wahrnehmbar ist, wird es viel leichter! Das könnte z.B. so klingen: „Heute habe ich viel vor“, „In meinem unteren Rücken fühle ich ein stechendes Ziehen“ oder „Es regnet“. Schon fällt das Jammerfasten viel leichter!

Tipp 6: Sprich ein Mantra!

Anstatt Dir dauernd die gleichen Jammersätze zu Gemüte zu führen, kannst Du sie mit Tipp 4 frühzeitig erkennen und unterbrechen und mit Tipp 5 dem Jammern das Futter entziehen. Anschließend kannst Du noch einen bestärkenden Satz als „Gegengift“ sprechen. Z.B.: „Es regnet UND ich habe einen Regenschirm.“ Oder „Ich habe heute viel vor UND ich mache es mir so schön wie möglich.“ Als „Mantra“ oder Affirmation eignet sich z.B.:

„Ich habe nicht alles unter Kontrolle und das entlastet mich.“

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Reinhold Niebuhr)

„So wie es ist, ist es genau richtig. Genau so soll es sein.“

„Ich bin gespannt darauf, wofür es gut ist.“

(Mein Lieblingsmantra für mehr Akzeptanz ist übrigens: „So isses!“)

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